Die Rathausstraße

Zu viele Autos fahren mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Rohrbacher Rathausstraße. Das bestätigten auch verstärkte Polizeikontrollen in den letzten Wochen. Deshalb ergriffen Eltern die Initiative. Der Rohrbacher »punker« und die Initiative »Kind & Verkehr« riefen zu Straßenaktionen auf und auch der Bezirksbeirat diskutierte auf Antrag der GAL-Fraktion. Einmütig forderten hier alle Fraktionen einen stärkeren Fußgängerschutz in der Rathausstraße. Die Stadt Heidelberg wurde aufgefordert Möglichkeiten einer baulichen Umgestaltung zu prüfen. Ein in der Sitzung vorgelegter Entwurf für sogenannte "Gehwegnasen" und "Sägezahnmarkierungen" wäre rechtlich machbar und würde sein Ziel genau so gut erreichen wie ein in einer 20-km-Zone nicht erlaubter Zebrastreifen. Die Rohrbacher Eltern begleiten den Entscheidungsprozess in der Stadtverwaltung weiter mit phantasievollen Aktionen.

Lesen und sehen Sie mehr von den Aktionen:

Die Vorgeschichte der Elternaktionen, Jahrzehnte Engagement für mehr Sicherheit für Fußgänger, können Sie hier nachlesen.

Eine Umfrage im Rahmen des Autofreien Sonntags 2000 hatte gezeigt, dass Eltern, ältere Menschen und Behinderte nach wie vor unzufrieden mit der Situation in der Rathausstraße sind. Bilder vom Autofreien Sonntag finden Sie hier.

Im Juni und Juli 2000 fanden "Gehweg-Bestehungen" statt, über die auch die RNZ berichtete.
Sie finden den Artikel hier.

Eine besondere Aktion fand am 14. Oktober statt: Zur dritten Gehweg-Bestehung spielte der Nachbarschaftskrach auf. Fotos dieses Ereignisses finden sie hier.

Pappnasen für Gehwegnasen war das Motto der bislang letzten Aktion, die logischerweise am 11.11.2000 um 11.11 Uhr stattfand. Mit Glühwein - und Pappnasen versteht sich. Mehr davon hier.

Ein erster Erfolg der Aktionen ist im Mai 2001 zu verzeichnen: Auf dem südlichen Gehweg werden Poller installiert. Mehr davon hier.

Warum Gehwegnasen möglicherweise tatsächlich die beste Lösung für die Probleme in der Rathausstraße wären, erfahren Sie hier.

Bei der Aktion Pappnasen für Gehwegnasen 2001 wurde am 10.11. um 11.10 Uhr die Pappnase 2001 an Raban von der Malsburg verliehen. Mehr darüber hier.

Amnesie – stand by me! Wieder einmal verhinderten die Konservativen im Gemeinderat eine Verkehrsberuhigung in der Rathausstraße! Mehr...

Stationen einer unendlichen Geschichte

1984

Jahrzehnte ist es her, dass der Elternsprecher der damaligen Klasse 1a der Eichendorffschule an die Stadtverwaltung schrieb, er stelle "als Vertreter der Eltern den Antrag, an geeigneter Stelle der Rathausstrasse einen Fußgängerüberweg für die Schulkinder anzubringen, um ein gefahrloses Überqueren der Rathausstrasse zu ermöglichen." In einer nach 7 Monaten im Mai 1985 folgenden Antwort der Stadt wurden die Eltern gebeten, das Ergebnis eines "städtebauliche(n) Gutachterverfahren(s) für den Bereich Rohrbach/Mitte" abzuwarten. In der Zwischenzeit "können Schülerlotsen das Überqueren der Rathausstraße bei Schulanfang und -ende sichern".
Ein Vorschlag, der von der Gregor-Mendel-Realschule, die den Dienst hätte übernehmen sollen, abgelehnt wurde.

1986

Nach einer erneuten Anfrage des Elternbeirates verwies die Stadt Heidelberg im Januar 1986 nochmals auf das städtebauliche Gutachterverfahren, das aller Wahrscheinlichkeit nach "eine wesentliche Verkehrsentlastung der Rathausstraße vorsehen, was wiederum die Anlage eines Fußgängerüberweges erübrigen" würde.

1988

Ende 1988 schrieben der (neue) Elternbeirat und die Schulkonferenz der Eichendorffschule an den damaligen OB Zundel:
"Trotz Einführung der 30 km/h Begrenzung in dieser Straße und der Schranke am Ende des Kühlen Grundes ist besonders in den Morgenstunden reger Verkehr." Dadurch seien die Schulkinder nach wie vor gefährdet. Der Elternbeirat fordert deshalb:

"- einen Zebrastreifen über die Rathausstr. in Höhe des Rohrb. Rathauses
- einen Zebrastreifen über die Amalienstr/Ecke Rathausstr."

In seiner Antwort verwies der OB auf das Bebauungsplanverfahren, das inzwischen weitergediehen und zu einem Entwurf entwickelt worden sei. Zundel meinte, da die Rathausstraße Bestandteil eines 30 km/h-Geschwindigkeitsbereiches sei, "sollten jetzt keine weiteren Investitionen mehr vorgenommen werden." Stattdessen sollten "nachhaltig" Geschwindigkeitskontrollen stattfinden.

1989

Im August 1989 wiesen erneut Eltern auf die Gefährdung ihrer Kinder hin.

"Konsequent für Heidelberg" war ein Brief der CDU an einen Erstklässlervater im Oktober 1989 überschrieben. Der Autor, Ernst Gund, heute Gemeinderatder CDU, meinte: "Ob die Lösung der Zebrastreifen, oder eine allgemeine Fußgängerzone …sein wird, können wir noch nicht beurteilen, da die Rathausstraße als Fußgängerzone Rohrbach möglicherweise "zweiteilen" würde. Daher ist die Ampellösung als die schnellere anzustreben. Sie können meiner Unterstützung in dieser Frage gewiss sein."
Das Kind des Elternbeirates von 1984 besuchte inzwischen die 6. Klasse einer weiterführende Schule…

1989 schreibt die damalige Elternbeiratsvorsitzende der Eichendorffschule in einem Leserbrief: "Seit nunmehr fünf Jahren kämpft der Elternbeirat…um einen weiteren Zebrastreifen über die

 

Rathausstraße…" Passiert war nichts: "Die Stadt stiehlt sich aus der Verantwortung."

1993

Bewegung kommt nach unseren Unterlagen erst Jahre später in die Sache. Im März 1993 schreibt die neue OB Beate Weber in einem Brief: "Das Überqueren der Rathausstraße in Höhe der Amalienstraße soll durch das Einengen der Fahrbahn verbunden mit Aufpflasterungen erleichtert werdem. Die Maßnahme wird in diesem Jahr ausgeführt."

Wurde sie auch. Allerdings war und ist es eine Be- und keine Aufpflasterung geworden, was die OB bei der Übergabe der neugestalteten Kreuzung auch selbst bedauerte. Auch die Einengung der Straße ist unterblieben. Die Autos können also weiterhin ungebremst durch die Straße fahren. Was sie auch tun – ungeachtet auch der vor einigen Jahren von 30 auf 20 km/h reduzierten erlaubten Geschwindigkeit. Aber verboten ist nicht eingehalten, da nutzen auch noch so nachhaltige Polizeikontrollen nichts.

2000

Deshalb ergriffen 2000 erneut Eltern die Initiative. Auch der Bezirksbeirat diskutierte auf Antrag der GAL-Fraktion. Einmütig forderten alle Fraktionen einen stärkeren Fußgängerschutz in der Rathausstraße. Die Stadt Heidelberg wurde einstimmig aufgefordert Möglichkeiten dafür zu prüfen. Ein in der Sitzung vorgelegter Entwurf für sogenannte "Gehwegnasen" und "Sägezahnmarkierungen" wäre rechtlich machbar und würde sein Ziel genau so gut erreichen wie ein in einer 20-km-Zone nicht erlaubter Zebrastreifen. Diesmal könnte es klappen, die unendliche Geschichte ein Ende finden. Die Eltern jedenfalls werden nicht locker lassen.

Hoffentlich mit happy end!

Autofreier Sonntag (2000)

Gehweg-Bestehungen (Juni und Juli 2000)

Der Nachbarschaftskrach spielt auf (14.10.2000)

Beim dritten dieser Treffen auf dem schmalen Fußweg der Rathausstraße spielte der "Nachbarschaftskrach" auf und raubte möglicherweise auch dem ein oder anderen Anwohner den Schlaf- vor-12-Uhr-Mittag, wie unser Foto beweist.

Bild der Rathausstraßenaktion 3

Pappnasen für Gehwegnasen (11.11.2000)

Am Samstag, den 11.11 bot der Rohrbacher Rathausplatz einen ungewohnten Anblick. Männer und Frauen mit dicken roten Clownsnasen spendierten vorübergehenden Passanten einen Glühwein oder Kinderpunsch, Musik klang aus Lautsprechen. Zahlreiche Kinder konnten sich mit Jonglierkeulen oder Bällen vergnügen. Es herrschte eine tolle Faschingsstimmung. Die Initiative Kind und Verkehr und das neue Rohrbacher Infoblatt "der punker" hatten unter dem Motto "Pappnasen für Gehwegnasen" zu einer vierten Aktion für mehr Sicherheit im Verkehr in der Rathausstraße aufgerufen. Punkt 11 Uhr 11 erklärte der Kinderbeauftragte von Rohrbach den Fasching als eröffnet. Unter lautem Jubel stiegen duzende Ballons in den blauen Himmel. An diesen hingen Postkarten für Oberbürgermeisterin Beate Weber mit Bitten Rohrbacher Kinder für sichere Überwege in der Rathaustraße. Aus gutem Grund, denn Geschwindigkeitsmessungen in den letzten Wochen hatten nur bestätigt, was viele Rohrbacher schon immer beklagt hatten. Zu viele Autos fahren zu schnell durch die Rathausstraße. Der Wettergott meinte es gut, und ein günstiger Wind wehte die Ballons Richtung Stadtzentrum. Mit etwas Glück erreichen sie Frau Weber.

 

Erster Erfolg in der Rathausstraße

Poller schützen Fußgänger (Mai 2001)

Im April 2001 stellten Frau Baier und Herr Kuch von der Stadt ihre Vorschläge für eine Entschärfung der Lage auf dem südlichen Gehweg der Rathausstraße im Rahmen einer Begehung vor: Das gefährliche Gehwegbefahren sollte durch einige in Abständen aufgestellte Poller wenn schon nicht gänzlich verhindert, so doch wenigstens erschwert und verlangsamt werden. Inzwischen sind vier Poller installiert und ein schnelles Überfahren des Gehweges zumindest im westlichen Teil nicht mehr möglich. Der östliche Teil des Gehweges ist zu schmal für das Aufstellen der Poller.

Gehwegnasen: die beste Lösung?

Prävention statt Reaktion in der Politik wird gefordert. Auf den Vorschlag der GAL hatte die CDU-Fraktion bereits einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, Möglichkeiten einer baulichen Umgestaltung zu prüfen, dem der gesamte Bezirksbeirat dann einmütig zustimmte. Da in der 20-km-Zone ein Zebrastreifen verkehrsrechtlich nicht erlaubt ist, wäre die optimale Lösung, die Verbreiterungen von Gehwegen im Querungsbereich, sogenannte "Vorpflasterungen": " Kanzeln" "Gehwegnasen" oder "Auftritte". Dadurch wird ein guter Sichtkontakt zwischen Autos und Passant ermöglicht, die Querungsstellen werden für alle Verkehrsteilnehmer gut erkennbar und die Querungsstrecke verkürzt. Das wesentliche an den "Gehwegnasen ist, dass der Autoverkehr durch die Engstellen deutlich verlangsamt wird. Damit sinkt das psychologische und das physikalische Bedrohungspotential des Autoverkehrs.

Es ist zudem ohne Weiteres möglich, die in die Fahrbahn hinein ragenden Vorpflasterungen überfahrbar zu gestalten, damit Rettungsfahrzeuge und der Schwerlastverkehr noch passieren und abbiegen können. Dann empfiehlt sich allerdings eine Untergliederung des Materials zwischen überfahrbarem und nicht überfahrbarem Teil, zum Beispiel durch Materialwechsel, eine kleine Kante oder Poller.

Kritiker halten dem Projekt entgegen, dass solche Querungshilfen zwar die Sicherheit erheblich erhöhen, aber zu einem "gigantischen Stau" in der Rathausstraße führen würden. Wie jedoch die Realität täglich beweist, führen Fahrzeuge, die in der Rathausstraße auf beiden Starßenseiten, z.T. entgegen den Vorschriften parken, keineswegs zu einem Verkehrschaos, sondern sie vermindern lediglich die Durchschnittsgeschwindigkeit auf ein sozial verträgliches Maß. Der Nachteil parkender Fahrzeuge ist, dass Fußgänger, vor allem Kinder hinter ihnen nicht wahrgenommen werden und das damit deren Unfallrisiko steigt.

Wie dem auch sei, es werden weitere orginelle Aktionen folgen, mit denen die Initiative Kind & Verkehr, der punker, Eltern, Anwohner und verantwortungsbewusste Bürger den Entscheidungsprozeß der Stadtverwaltung begleiten werden.

 

 

Pappnasen auch 2001 für Gehwegnasen (10.11.2001)

Seit über 17 Jahren fordert die Rohrbacher Bevölkerung Maßnahmen, die die Verkehrssicherheit im Bereich der Rohrbacher Rathausstraße erhöhen. Zuletzt hat nochmals dieses Jahr der Bezirksbeirat über alle Parteigrenzen hinweg die Verwaltung einstimmig aufgefordert "verkehrsrechtliche und bauliche Veränderungen im Bereich Rathausstraße/Amalienstraße in Höhe Rathausstraße vorzunehmen, damit es zu einer Verkehrsberuhigung kommt und eine Situation geschaffen wird, die Rohrbach lebenswert macht…"

Seit über 17 Jahren warten wir geduldig. Wir haben inzwischen eine ganze Mappe mit "historischen" Briefen, von OB Zundel und anderen. Aber geschehen ist wenig. Seit über 17 Jahren werden wir vertröstet und auf anstehende Gesamtkonzepte verwiesen, ein Stückchen Straße wurde gepflastert, nicht aufgepflastert, drei Poller gesetzt, die das Überrasen des Fußweges zwar verhindern, aber nun von den Autofahrern als Parkplatzmarkierungen missverstanden werden...

Das kann so nicht weitergehen. Wir möchten nicht bis in die dritte Generation warten, bis sich etwas tut. Der »punker« hat deshalb bereits im letzten Jahr mit phantasievollen Aktionen auf die Misere aufmerksam gemacht. Und auch dieses Jahr hieß es einmal mehr: Pappnasen (immer noch) für Gehwegnasen! Rohrbacherinnen und Rohrbacher kamen in großer Zahl um auf ihr Anliegen hinzuweisen. Es war eine bunte, unübersehbare und unüberhörbare (danke, Nachbarschaftskrach!) Aktion. Die Clowinnen Doddo und Pünktchen, (oder war es Rübe?, die sehen so gleich aus, mit den roten Nasen) sicherten die Baustelle und errichteten temporäre Gehwegnasen, die zumondest für eine Stunde die Rathausstraße beruhigten. Dazu gab es desn traditionellen Glühwein - zum Glück war es noch rechtzeitig kalt geworden - danke auch für diese noble Spende!

Schließlich verlieh Gernot Hois die Pappnase des Jahres 2001 an den Ersten und Baubürgermeister der Stadt Heidelberg, Herrn Raban von der Malsburg.

Heftige Diskussionen am Rande der Veranstaltung...

 

Die 17-jährige Geschichte der Aktionen in der Rathausstraße können Sie hier nachlesen.

Eine ungewöhnliche Ehrung...

»der punker« verleiht Pappnase 2001
an Raban von der Malsburg

von Gernot Hois

Dass es sich um keinen Faschingsscherz handelte, war schnell klar: Am Dienstag, dem 13. November erhielt der 1. Bürgermeister in seiner Amtsstube Besuch aus Rohrbach. Gernot Hois, Bote des "Punker e.V." und Kinderbeauftragter von Rohrbach, überreichte dem "glücklichen Gewinner" die Verleihungsurkunde zur Pappnase des Jahres. Dieser Preis wurde anlässlich einer Protestaktion auf der Rathausstraße "Pappnasen für Gehwegnasen 2" mit viel Volk, Glühwein, Clowns und Nachbarschaftskrach am 10.11. um 11.10 Uhr öffentlich verliehen und drei Tage später persönlich überreicht. Mit dieser Aktion des Punker e.V. und der Initiative Kind & Verkehr sollten die seit mittlerweile 17(!) Jahren andauernden Forderungen der Rohrbacher Bevölkerung sowie ein Antrag der CDU-Fraktion im Bezirksbeirat nach mehr Verkehrssicherheit im Bereich der Rathausstraße unterstützt werden.

Die Auszeichnung steht für den Verlust des Spürsinns für die Belange der Rohrbacher Bevölkerung. Sie geht dieses Jahr an den Ersten Bürgermeister, stellvertretend für all jene, die eine Lösung der Verkehrsituation in der Rathausstraße verzögern, verschlafen und auf die lange Bank schieben.

Trotz seines übervollen Terminkalenders war der Erste Bürgermeister gerne bereit gewesen, die Rohrbacher zu empfangen und nahm die Auszeichnung mit Würde und sehr viel Sinn für Humor entgegen.

Herr Hois machte bei der Überreichung des Preises deutlich, dass es sich bei der Auszeichnung zur Pappnase des Jahres keineswegs um einen Angriff gegen Person und Amt des Ersten Bürgermeisters handelt. Prof. Dr. von der Malsburg fand denn auch, dass man bei ihm schon an der richtigen Stelle sei und zeigte sich im Verlauf des weiteren Gespräches erstaunlich gut über die Verkehrssituation an der umstrittenen Stelle informiert. Fr. Veronika Hois, Leiterin des Kindergartens St. Theresia in der Rathausstr., gab dem EB einen Erlebnisbericht aus erster Hand. Sie schilderte die Erlebnisse und Widrigkeiten, denen die Kindergartenkinder auf dem Weg durch die Rathaustraße ausgesetzt sind und unterstützte die Forderung nach einer Querungshilfe am Rathausplatz aus Sicht der Kinder. H. Hois machte auf das zunehmenden Verkehrsaufkommen und auf die erhöhte Geschwindigkeit aufmerksam, mit der in der Rathausstraße gefahren wird. Die Gefährdung von Kindern, älteren Menschen und Behinderten durch das ständig wachsende Verkehrsaufkommen sei real. Der Rathausplatz ist zudem Schulweg. Eine Gehwegverbreiterung würde die Durchschnittsgeschwindigkeit an dieser Stelle senken, es seien ohnehin 20 kmh vorgeschrieben, nur halten sich wenige Autofahrer daran. Eine solche Maßnahme würde außerdem durch die Entschleunigung des Kfz Verkehrs die Aufenthaltsqualität in der Rathaustraße erheblich steigern. Zudem sei die Querungssicherung der Rathausstraße Bestandteil des Rohrbacher Kinderwegenetzes.

Der Erste Bürgermeister befand, dass hier ein dringender Handlungsbedarf vorliege. Aufgrund kürzlich durchgeführter Baumaßnahmen am Rathausplatz und einer eher provisorischen Planungsvorlage habe er sich bisher gegen eine bauliche Querungssicherung entschieden. Er stimmte im Verlauf des weiteren Gesprächs aber zu, dass Maßnahmen, die die Sicherheit in diesem Bereich erhöhen, dringend erforderlich seien und gab der Verwaltung einen Arbeitsauftrag, unverzüglich eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung auszuarbeiten.

Nächstes Jahr wird die Pappnase des Jahres 2002 verliehen. Deshalb bittet der Punker alle Kandidaten für diese Ehrung, sich unter http://derpunker.de/ vorzustellen. Vorschläge aus der Bevölkerung sind natürlich herzlich willkommen.

Klicken für hochauflösende Version.

Amnesie – stand by me! (November 2001)

Verkehrsberuhigung in der Rathausstraße verhindert!

von Gernot Hois

Beinahe sah es so aus, als habe sich das jahrzehntelange Engagement der Eltern und Bürgerinnen bezahlt gemacht: Der Bezirksbeirat Rohrbach hatte in seiner Sitzung am 19. Juli 2000 durch einstimmigen Beschluss auf Antrag der CDU Fraktion die Verwaltung gebeten, "verkehrsrechtliche und bauliche Veränderungen" im Bereich Rathausstraße /Amalienstraße vorzunehmen." Mit der Verkehrsberuhigung sollte eine Situation geschaffen werden, die "Rohrbach lebenswert macht". Am 17. Januar 2001 erklärte sich der Bezirksbeirat ebenfalls einstimmig mit einer vom Stadtplanungsamt vorgestellten Lösung für Gehwegerweiterungen einverstanden.

Doch dann kam es am 22. November 2001 zu einer der erstaunlichsten Bezirksbeirats-sitzungen in der Geschichte Rohrbachs. Herr Huge vom Stadtplanungsamt berichtete, der 1. Bürgermeister von der Malsburg habe nach Intervention des BBR und Aktionen des »punker« eine Fortführung der aus Kostengründen auf Eis gelegten Planung ermöglicht. Er stellte nochmals den überzeugenden Entwurf vor, den der BBR im November einstimmig angenommen hatte. Doch jetzt hatten einige Bezirksbeiräte Schwierigkeiten, den Entwurf wiederzuerkennen. Mit Aussagen wie: "Noch nie gesehen", wurde die nötige Distanz zu den eigenen Anträgen hergestellt. Dann wurde das alte Argument, bauliche Fußwegesicherungen verengten die Fahrbahn und führten zu endlosen Staus in der Rathausstraße, aus den parteipolitischen Kohlekellern wieder ans Tageslicht gezerrt. Aus diesem Grund würde man einer "zu starken Verengung" der Rathausstraße nicht zustimmen. Hans-Jürgen Fuchs appellierte eindringlich an die Verwaltung und an den BBZ, das Projekt, für das Eltern zwei Jahrzehnte kämpfen, nicht in letzter Minute scheitern zu lassen. Renate Emer stellte schließlich den Antrag, Mittel für die endgültige Planung in den Haushalt 2002 einzustellen. Diesem wurde mit 5:4:3 Stimmen knapp zugestimmt. Doch dann wurde ihm im Bauausschuss mit den Stimmen der konservativen Parteien, 18:21, der Gnadenstoß versetzt.

Was ist das für eine Praxis? Längst überfällige Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der schwächeren Verkehrsteilnehmer, Schulkinder und älterer Menschen, eine Aufwertung der Aufenthaltsqualität am Rathausplatz wird erst beantragt, dann aber wird wegen Gedächtnisverlust die Vorlage des eigenen Antrags nicht wiedererkannt. Diese Erinnerungslücken tun sich auf an der Bruchstelle zwischen lokaler Verantwortung und parteipolitischer Ideologie. Im Spannungsfeld zwischen "Freie Fahrt für freie Bürger" und Fußgängerschutz/ Schulwegsicherung scheint die partielle Amnesie das geeignete Mittel, um "bewusstlos" in den gegebenen Umständen zu verharren. Verhinderung statt Verbesserungen, und das auf unser aller Kosten. Um Rohrbach lebenswert zu machen genügt es eben nicht, alles so zu lassen wie es ist. Lebenswert kommt von leben und nicht ausschließlich von fahren!

Dass die lebenswerte Umgestaltung des Rathausplatzes im Bauuschuss verhindert wurde, ist bedauerlich, aber nur von temporärer Natur. Nächstes Jahr können wieder Anträge zu diesem Thema im Bezirksbeirat gestellt werden. Deshalb werden wir mit weiteren Initiativen und Aktionen die Entscheidungsfindungsprozesse begleiten.

Offen bleibt die Frage, "Warum wird alles getan, um nichts zu tun?" Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, müssen wir uns an unsere politischen Vertreter in den Bezirksbeirat und im Gemeinderat wenden. Sie können bestimmt Auskunft über ihr Verhaltengeben, es sei denn, sie haben es schon wieder vergessen.