„Net schwätze, schaffe!”

Bernd Frauenfeld gibt die Leitung des Stadtteilvereins ab

von Hans-Jürgen Fuchs | April 2013

tl_files/bilder/2013/andere-Aktionen/Frauenfeld-Abschied/Frauenfeld-52.jpgEr war „der Stadtteilverein”. So sah man ihn – so sah er sich selbst. Nun ist er gegangen, hat „den Karren lang genug gezogen”. Bernd Frauenfeld hatte in der Jahreshauptversammlung des Stadtteilvereins 2012 angekündigt, er werde 2013 nicht wieder kandidieren. Alle Versuche ihn umzustimmen, schlugen fehl. Und so endet seine Vorstandsschaft und damit auch die Ära Frauenfeld im Stadtteilverein: Bernd Frauenfeld und vorher sein Vater prägten den Verein mit einer kurzen Unterbrechung seit Jahrzehnten.

Zeit also, einen Rückblick zu wagen. Dabei will ich ihn an seinen eigenen Ansprüchen messen. Und die lassen sich mit einem Satz zusammenfassen: „Net schwätze, schaffe!”. Gucken wir also mal, was er geschafft hat, der Frauenfeld, in seiner Amtszeit. Und beginnen mit den offensichtlichen Dingen:

Rohrbach Markt ist umgebaut und lebt wieder, der Wochenmarkt belebt das Zentrum, das Quartier am Turm hat ein sehr eigenes Gesicht behalten, das Bürgeramt ist umgezogen und demnächst wird das Rathaus saniert. Die Karlsruher Straße erhält doch Bäume, der Rathausplatz wird umgebaut …

Der überwiegende Teil dieser Erfolge wäre ohne eine intensive Zusammenarbeit von Stadtteilverein und punker nicht möglich gewesen. Und dies, das Zugehen auf die Neubürger im Stadtteil, die Zusammenarbeit von punker und Stadtteilverein zu ermöglichen, ist ein wesentliches Verdienst Frauenfelds. Legendär sein Feierabendbier mit Gernot Hois. Es folgten weitere Feierabendbiere mit mir und Ursula Röper, dann erste Kooperationen mit dem punker, schließlich eine regelmäßige, verlässliche Zusammenarbeit mit vielen Erfolgen. Siehe oben ...

Bei den eigenen Leuten war die Öffnung des Stadtteilvereins nicht immer unumstritten. Zusammenarbeit mit den „Grünen” – wo kommen wir denn da hin? Aber es war der einzig richtige Weg. Das Rohrbach, das mancher noch im Kopf hat, hat mit der Realität nicht mehr viel zu tun. Rohrbach im 21. Jahrhundert hat 15.000 Einwohner, der Stadtteil ist inzwischen einer der größten der Stadt. Hier leben mehr Menschen als in Schriesheim, Ladenburg oder Hirschberg. Und nur eine Minderheit der Rohrbacher ist auch hier geboren. Der Stadtteil, das alte Dorf, hat sein Gesicht massiv verändert seit dem Krieg. Emmertsgrund und Boxberg wurden bebaut und eigenständige Stadtteile, Rohrbach selbst wuchs um den Hasenleiser, Rohrbach-Süd, das Gewann See, um Eichendorffforum und das Quartier am Turm. Kürzlich zogen 600 Studenten in den Holbeinring und demnächst stehen massive Veränderungen am ehemaligen US-Hopital an und auf ehemaligen Rohrbacher Flächen am Headquarter und in der Südstadt an. Und auch im alten Teil Rohrbachs werden inzwischen viele Häuser von Neubürgern bewohnt, weil die Kinder der Besitzer weggingen – um irgendwo ihr Leben als Neubürger zu leben.

Frauenfeld hat das verstanden und hat immer wieder den Anspruch formuliert, der Stadtteilverein stehe für den gesamten Stadtteil. Wollte er ihn einlösen, gab es keine Alternative zur Öffnung des Vereins. Er handelte nach dieser Einsicht – auch wenn es ihm sicher nicht immer leicht fiel.

Damit meine ich nun nicht das Verhältnis Stadtteilverein – punker, bei dem eigentlich nie Sand ins Getriebe kam. Schwerer fiel Frauenfeld sicher die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen im Stadtteil und mit dem Bezirksbeirat. Da trafen nicht nur unterschiedliche Politikmodelle aufeinander, sondern divergierende Kulturen. Hier der Konservative, der „schaffe” wollte „nicht schwätze”, der ein direktes Telefonat mit Verantwortlichen, wenn es sein musste auch mit „Eckhard” persönlich, immer langwierigen Diskussionen und mühsamer Lobbyarbeit vorzog.

Auf der anderen Seite die Bezirksbeiräte, die Verkehrsinitiativen, Runden Tische und Zukunftswerkstätten. Die Gremien, in denen alle mitreden wollten und konnten, in denen Transparenz und Bürgerbeteiligung beschworen wurden. Gremien, in deren ausufernden Debatten manchmal aber auch die eigentliche Ziele aus dem Blick gerieten und Einzelperspektiven oder (Partei-) Interessen im Vordergrund standen.

Bernd Frauenfeld ließ sich auch auf diese Arbeit ein. Aber die Gremienarbeit blieb ihm trotzdem fremd. Ich sehe ihn vor mir, wie er nicht versteht, dass immer neu diskutiert und überzeugt werden muss, wo doch der richtige Ansatz klar war. Dass viele nach dem Motto diskutierten: „Es ist zwar schon alles gesagt. Aber nicht von mir!” Fassungslos stand er manchmal vor der Tatsache, das Parteien ihre Zusagen von heute auf morgen brachen, nur weil ihnen Widerstand aus dem eigenen Umfeld entgegen wehte. Ich denke da z. B. an den Kampf um die Realisierung des Umbaus am Rohrbach Markt, die beinahe in letzter Minute gestoppt worden wäre.

Es war aber nicht nur der Unterschied in der Diskussionskultur der Neubürger, der Frauenfeld zu schaffen machte. Genauso war es wohl das eigene Umfeld: All die kritischen Bemerkungen, die Anwürfe, das dies und das nicht, oder doch wenigstens nicht richtig liefe. Anwürfe von Leuten, die die Angebote des Stadtteilvereins zwar goutierten, aber selbst nicht bereit waren, Hand anzulegen. Auch das zermürbt auf Dauer.

Nun verlässt Frauenfeld den aktiven Vorstand des Stadtteilvereins. Er hatte Ecken, mit denen er aneckte, Kanten, die er zeigte und mit denen er manchmal anstieß. Frauenfeld war kein einfacher Vorsitzender. Und das ist gut so. Er hat den Stadtteilverein und den Stadtteil ein großes Stück voran gebracht.

Dass der amtierende punker-Vorsitzende sein Nachfolger würde, hätte Frauenfeld beim Feierabendbier vor Jahren sicher nicht gedacht. Vielleicht ist es aber folgerichtig. Es ist wichtig, den begonnenen Weg weiter zu gehen. Eine Umkehr würde Rohrbach schaden und nur jenen nützen, die nicht erkannt haben, dass die Stadt aus Teilen besteht. Jenen, die städtische Gelder lieber im Zentrum einsetzen, als an der „Peripherie” ...

Frauenfeld selbst bleibt uns als Ehrenvorsitzender des Stadtteilvereins erhalten. Und auch das ist gut so!