"Diavortrag über Kambodscha" 2026

Das Kloster Banteay Chhmar – Eine wiederentdeckte Legende

John Sanday im Alten Rathaus, 09.01.2026
Bericht von Anne Erpelding

Zum zweiten Mal hat John Sanday über seine faszinierende Arbeit in Asien berichtet. War es im Januar letzten Jahres der Himalaya, so führte er uns an diesem Freitagabend nach Kambodscha zu den Tempelanlagen der Angkor Periode, genauer nach Banteay Chhmar, im Norden des Landes. Dort hat John als Spezialist für die Instandsetzung kulturhistorisch wertvoller Bauten im Auftrag des amerikanischen Global Heritage Fund und in Zusammenarbeit mit dem kambodschanischen Kulturministerium ein Konservierungs- und Ausbildungsprojekt aufgebaut. Nach der sehr gelungenen Einführung von Eva Marbun, die den Bogen von Mustang zu Banteay Chhmar gespannt hat, erzählte John zunächst über seine Arbeit in Angkor Wat und Preah Khan, ehe er seine Zuschauer zu der weithin unbekannten Region von Banteay Chhmar führte.

Man muss wirklich diesen Haufen Steine gesehen haben um zu realisieren, auf was für ein Abenteuer der Erzähler sich eingelassen hat! Von der ursprünglichen Pracht der neun Quadratkilometer weitläufigen Anlage, die um 1200 nach Christus erbaut wurde, war nicht mehr viel zu sehen. Der Dschungel überwucherte das riesige Gelände und nur die Überreste der enigmatischen 18 Meter hohen steinernen Türme mit den Buddhaköpfen ließen erahnen, welch ein architektonisches Meisterwerk hier wie Schneewittchen über Jahrhunderte verlassen und fast vergessen war.

Nachdem ein Team aus überwiegend lokalen Arbeitern rekrutiert worden war, ging  es zunächst einmal darum, sich einen Überblick zu verschaffen und die verschiedenen Steinhaufen zu sichten und zuzuordnen. Dabei war auch die Kooperation mit dem Institut für wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg unter der Leitung von Prof. Georg Bock sehr hilfreich. Mittels einer computergestützten Software wurden einzelne nummerierte Steine beispielhaft eingescannt, um hinterher eine dreidimensionale Fassung auf dem Computerscreen entstehen zu lassen. Mit dem Scanner ließen sich auch teilweise stark abgenutzte Details der Bas-Reliefs wieder sichtbar machen. Es war wie ein riesiges Puzzle, einzelne Steine zu identifizieren und Teile der Bas-Reliefwand wieder aufeinander zu setzen. Fast wie im Märchen ist man versucht zu schreiben: ...“und wenn sie nicht gestorben sind dann puzzeln sie noch heute“. Leider musste dieses spannende Vorhaben 2015 nach acht Jahren wegen Geldmangels eingestellt werden. Das tat aber John’s Enthusiasmus keinen Abbruch. Auch die Zuhörer waren über eine Stunde gefesselt von dem lebendigen Bericht. Man darf gespannt sein, was nächstes Jahr an die Reihe kommt.