Willi Schmitt – Ein Leben lang voller Leben …
von Hans-Jürgen Fuchs | November 2006
26 Jahre ist es her, dass ich Willi Schmitt kennen lernte. Ich kam direkt von der Pädagogischen Hochschule. Er war mein „Chef” im Zivildienst. Ein Mann, der vom Alter her mein Vater hätte sein können.
Geboren wurde Willi in Rohrbach. Friseur hatte er gelernt, erzählte er uns in einer der unzähligen Abendrunden bei Bier, Zigarren und Gitarrenmusik (legendär: „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand”). In der Nachkriegszeit hatte es wenig Alternativen gegeben. Doch eigentlich hatte es ihn immer hingezogen zu einer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, zur Sozialarbeit, die damals noch gar nicht so hieß. Bei den Falken war er gewesen und schließlich bei der AWO gelandet. Er leitete die Abteilung Kinder- und Jugendarbeit. Ein Schwerpunkt waren Ferienfreizeiten. Zum Beispiel das berühmte Alex-Möller-Waldheim, heute die „Waldpiraten” am Bierhelder Hof. Es gab noch keine Holzhäuser. Bei Regenwetter verbrachten wir Stunden mit den Kindern in Zelten. Bei schönem Wetter waren wir unterwegs, am Rohrbach und im Wald.
Das Regime im Haus führte eine Rohrbacherin, Luise Kaltschmidt (ob mit „dt” oder „tt” weiß ich nicht mehr – mea culpa). Es war ein strenges Regime, aber Willi setzte ihm Charme, Musik und Geduld entgegen.
Fast täglich kam er mit seiner Gitarre, oft auch mit Indianerschmuck zum „Bierhelder”. Und er schaffte es, aus dem undisziplinierten Haufen von mehr als hundert Kindern in kurzer Zeit eine Gruppe zu schaffen.

Nicht „Chef”, sondern „Häuptling” …
Meine nächste Station war ein Ferienlager in Krautsand an der Elbmündung. Kein Jahr im Geschäft, ein junger unerfahrener Mensch, hatte ich plötzlich die Verantwortung für mehr als hundert Kinder, ein Dutzend „Helfer/innen” am Rande der Kilometer breiten Elbe. Für Willi war es nie eine Frage, das ich das schaffen würde – für mich schon eher.
Dann gab es den Jugendkeller für lange Nächte voll lauter Musik und Kaminfeuer, die Hausaufgabenhilfe für türkische Kinder, Bettenbeziehen im Alex-Möller, Schulungen in Epfenbach. Wir waren ein Team, nicht Zivis und „Chef”.
Ungeheuer viel gelernt habe ich in dieser Zeit. Das Arbeit keine Plage sein muss, dass man auch die rauesten Kinder annehmen muss und kann. Willi konnte das. Er liebte sie alle, seine„Goldkinder”.

Willi und seine Goldkinder
Wieder getroffen habe ich Willi vor Jahren, als ich nach Rohrbach zog. Beim ersten Stadtteilfrühstück war er dabei, bei den Sommerfesten der SPD. Das letzte Mal redete ich ausgiebig mit ihm im Sommer vor zwei Jahren. Willi war bereits von seiner Krankheit gezeichnet. Aber er sprach wie früher. Nie gearbeitet habe er, immer habe er das getan, was er wollte, was ihm Spaß machte. Das war so. Keine Koketterie, keine nachträgliche Verklärung.

Blumen für das Stadtteilfrühstück …
Am 8. November 2006 ist Willi gestorben. Bei seiner Beerdigung am 14. November fasste die Friedhofshalle die Menge der Abschied nehmenden nicht. Vertreter Rohrbacher Vereine sprachen, Vertreter der AWO und der SPD. Beate Weber war da. Eine Hommage an einen Mann, der ein Leben lang lebendig war.
Willi wird uns fehlen.

